Lebensmitte

Deine Lebensmitte hält einige Überraschungen für dich bereit.

 

Überraschung des Lebens

 

Dein Körper verändert sich. Die Haare werden grau, die Augen wollen nicht mehr so wie gewohnt, dein Hormonhaushalt ändert sich. Diese Veränderungen halten dir knallhart vor Augen: Du wirst älter und zwar schneller als du gedacht hast.

Der eine oder andere Promi aus deiner Jugendzeit stirbt.

Auch in deinem nahen Umfeld kommen  die „Einschläge“  näher. In der Zeitung liest du, dass ein ehemaliger Klassenkamerad verstorben ist oder eine dir nahestehende Person ist plötzlich nicht mehr da. Solche Nachrichten sind nur schwer zu verkraften. Immer ist es einfach viel zu früh. Denn ein Mensch, der uns berührt oder uns den größten Teil unseres Lebens begleitet hat, verlässt uns für immer. Und dir wird klar: Auch du bist irgendwann dran. Der größte Teil deines Lebens liegt hinter dir.

Darüber hinaus gibt es noch weitere Herausforderungen, die eng mit dieser Lebensphase verbunden sind: Die Kinder ziehen aus. Befreundete Paare trennen sich nach vielen Jahren, von denen du geglaubt hast, dass sie die Traumpaare ever waren. Oder du steht selbst vor deinem Beziehungs-Aus, weil die Jahre dich und deinen Partner verändert haben und die Liebe, von der du dachtest, das sie ewig hält, verloren gegangen ist.

Viele Menschen geraten in der Lebensmitte in eine Art Krise. Das muss nicht heißen, dass das Leben komplett auf den Kopf gestellt wird. Wir fangen an Fragen zu uns und unserem Leben zu stellen. Vielleicht stellen wir sogar unsere bisherigen Lebensentscheidungen noch einmal auf den Prüfstand.

Studien aus rund 80 Ländern zeigen, dass dieser Tiefpunkt in der Lebensmitte anscheinend ein universelles Problem ist. Das bedeutet nicht, dass wir zwangsläufig in eine Krise geraten müssen. Denn es kommt darauf an, wie wir gelernt haben, mit den Herausforderungen unseres Lebens umzugehen. Haben wir gelernt wirksame Bewältigungsstrategien zu entwickeln und können auf gute Art und Weise auf Wandel und Schwierigkeiten reagieren, dann können uns diese Strategien auch in der Lebensmitte helfen.

Was ist eine Midlife Crisis überhaupt?

Der Begriff „Midlife Crisis“ tauchte erstmals 1965 bei dem Psychoanalytiker Elliot Jaques in London auf. Seine Patienten waren meist männliche, extrovertierte Künstler in den mittleren Lebensjahren, die in eine Krise geraten waren. Daher schloss dieser Analytiker: Männer bekommen, wenn sie im mittleren Alter sind, eine Krise – er nannte sie: die „Midlife Crisis“.

Richtig bekannt wurde der Begriff allerdings erst durch amerikanische Einflüsse. In Filmen und Bücher wurde die „Midlife Crisis“ thematisiert und verbreiteten den Begriff und die damit verbundenen Klischees von älteren Männern, die dem Jugendwahn verfallen, in der Welt. Daher dachte man lange, dass nur Männer eine Midlife Crisis erleben, die sich eine junge Geliebte „hielten“, sich ein Motorrad oder einen Sportwagen kauften und anfingen, sich wieder jugendlich zu kleiden.

Welche Erkenntnisse hat die Wissenschaft zu der Midlife Crisis?

Wissenschaftler haben in internationalen Studien nachgewiesen, dass die Lebenszufriedenheit in einer Art U-Kurve verläuft. In jungen und älteren Jahren sind Frauen und Männer im Allgemeinen zufriedener als in der Lebensmitte. Im mittleren Alter scheint es so etwas wie eine Talsohle zu geben, die alle Menschen auf der Welt mit einer gewissen statistischen Wahrscheinlichkeit durchschreiten.

Diese Talsohle ist für jeden Einzelnen von uns jedoch nicht unbedingt ausgeprägt spürbar.

Es ist aber erwiesen, dass es in der Lebensmitte für viele von uns zu besonderen Herausforderungen kommt: Körperliche Veränderungen, aber auch Belastungen im sozialen oder beruflichen Umfeld.

Die Menopause kann das Leben ganz schön durcheinander bringen. Und die stärker wahrnehmbare Alterung des Körpers (z.B. mehr Falten, die Schwerkraft macht sich deutlich bemerkbar, man kann sich Dinge nicht mehr so leicht merken) sorgt bei vielen für Verunsicherung.

Häufig verändert sich das familiäre Umfeld. Erwachsene Kinder ziehen aus und die eigenen Eltern werden alt und pflegebedürftig.

Die Schweizerin Pasqualina Perrig-Chiello, Präsidentin der Seniorenuniversität Bern, Emeritierte Honorarprofessorin und Expertin der Entwicklungspsychologie, beschreibt die Midlife Crisis als eine krisenanfällige Zeit.

 

Sie vergleicht die Lebensmitte mit ähnlich aufwühlenden Zeiten wie die der Pubertät oder den Einstieg in die Rente. In ihren Untersuchungen an der Universität Bern fand das Team um Perrig-Chiello einen interessanten Zusammenhang zwischen verschiedenen Umbruchphasen heraus:

 

Midife Crises Frau

 

Menschen, die bereits in der Pubertät oder beim Berufseinstieg Schwierigkeiten hatten, geraten auch in der Lebensmitte häufiger in eine Krise als Menschen, die bereits früher gute Bewältigungsstrategien entwickelt haben. Besonders hilft ihnen dabei, wenn sie erkennen, dass sie selbst für ihr Leben und ihr Wohlergehen verantwortlich sind. Wer das nicht schafft, der hat ein höheres Risiko, in der Lebensmitte in eine Krise zu geraten.

Wie lange eine Midlife Crisis dauert, lässt sich nicht genau voraussehen. Sie hängt in der Regel davon ab, wie gut jemand mit den besonderen Herausforderungen dieser Lebensphase umgehen kann.

 

Was verändert sich denn nun in der Lebensmitte?

Vorweg mal was Positives:

Unsere Leistungsfähigkeit lässt zwar in einigen Breichen nach, aber zum Glück nicht überall. Professor Ernst Pöppel (bis 2008 Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität München) meint, dass es uns ab ca. Mitte 30 zunehmend schwerer fällt, Details wie Zahlen und Telefonnummern zu behalten. Was uns in der heutigen Zeit, bedingt durch die Smpartphones, noch viel deutlicher wird.  Dafür steigen aber unsere Fähigkeiten hinsichtlich der sprachlichen Ausdrucksfähigkeit und der Fähigkeit, Zusammenhänge intuitiv zu erkennen. Das klappt allerdings nur, wenn wir unser Gehirn regelmäßig trainieren und uns mit Dingen, Themen und Sachgebieten beschäftigen, die uns interessieren und uns emotional berühren. Dazu zählt z. B. ein Musikinstrument zu spielen oder zu erlernen, oder eine neue Sprache zu erlernen.

Jetzt aber zu den zumeist unangenehmeren Veränderungen in unserer Lebensmitte:

 

Dein Körper verändert sich

In der Lebensmitte verändert sich dein Körper: Die Haare werden grau oder sind es bereits, oft werden sie auch dünner. Das Lesen ohne Brille strengt immer mehr an. Hormonelle Veränderungen können zu körperlichen Beschwerden führen. Wir entdecken morgens im Spiegel plötzlich Falten, die gestern noch nicht da waren, die Elastizität der Haut lässt spürbar nach und im Ganzen fühlt man sich vielleicht sogar weniger fit und leistungsfähig.

 

Dein erster Kontakt mit der Endlichkeit deines Lebens

Wenn man die 40 überschritten hat, führt uns unser näheres Umfeld oft stärker die Endlichkeit des Lebens vor Augen: Das Thema Tod und Sterben rückt für viele stärker in den Fokus. Die Eltern werden krank, pflegebedürftig oder sterben. Auf die eine oder andere Weise wird uns bewusst, dass unsere aktive Lebenszeit mehr hinter uns liegt, als wir noch vor uns haben.

 

Ängste und Befürchtungen

 

Frau in der Midlife Crises

Mit dem Eintritt in die Lebensmitte kommen viele Ängste und Befürchtungen in uns hoch:

  • Geld spielt hierbei eine große Rolle.
  • Rutsche ich in die Altersarmut?
  • Oder werde ich finanziell gut dastehen?
  • Wird meine Ehe halten, wenn ich nicht mehr so attraktiv wie früher bin? Wenn ich ein paar Kilo zu viel mit mir rumschleppe? Wenn ich nicht mehr so fit bin wie früher?
  • Werde ich im Alter alleine sein?
  • Werden sich meine Kinder Zeit für mich nehmen?
  • Werden meine jüngeren Kollegen mich im Job abhängen?
  • Wird man mich aufgrund meines Alters kündigen?
  • Werde ich eine von den „nervigen“ Alten werden, die die Jüngeren an der Kasse im Supermarkt nerven, weil ich in ihren Augen immer zur falschen Zeit vor ihnen an der Kasse stehe?
  • Werde ich krank oder dement werden?
  • Irgendwann geht es wirklich ans Sterben, wie soll ich mich dem stellen?
  • Was habe ich noch im Leben zu erwarten?

 

Wir hadern mit unserer Vergangenheit

 

Vergangenheit

 

Menschen in der Lebensmitte wird irgendwann klar, dass sie manches, was sie unbedingt erreichen wollten noch nicht erreicht haben. Ihnen wird bewusst, dass sie Chancen ungenutz haben verstreichen lassen. Sie hadern möglichrweise mit ihren Lebensentscheidungen aus ihrer Vergangenheit. Sie wünschen sich die Chance, das ein oder andere nochmals anders/ besser machen zu können.

 

Unsere Bedürfnisse und Wünsche verändern sich

Unsere Bedürfnisse verändern sich. In der Lebensmitte merken wir, dass die gewohnten Strategien, sich Glück und Zufriedenheit zu verschaffen, nicht mehr so funktionieren wie bisher. Die Partys sind nicht mehr so toll wie früher, der Urlaub, der immer toll war, scheint uns plötzlich langweilig und nicht mehr so wichtig zu sein. Beziehungen, die bisher herzlich waren, wirken plötzlich anstrengend und abgedroschen.

 

Es folgt die Ernüchterung

 

Ernüchterung

 

Viele von uns landen in der Lebensmitte unsanft auf dem harten Boden der Tatsachen. Auch, wenn heutzutage vieles auch im späteren Lebensalter noch möglich ist, so gibt es ein paar Dinge, die zu verwirklichen ziemlich schwierig werden. Ab Anfang bis Mitte 40 zerplatzt für kinderlose Frauen mit einem Kinderwunsch die Hoffnung auf eigene Kinder endgültig, was sich enorm auf den Gemütszustand dieser Frauen auswirken kann.

Bestimmte Berufswünsche lassen sich nun nicht oder nur noch mit größtem Aufwand verwirklichen.

Prinzipiell lässt sich sagen, dass die Lebensmitte eine Phase sein KANN, die von körperlichen Belastungen, Enttäuschungen, Ängsten und Befürchtungen geprägt sein KANN. ABER NICHT SEIN MUSS!!!

Du kannst viel dafür tun, dass aus Enttäuschung Zuversicht wird. Und dass DU diese Phase als CHANCE für DICH nutzen kannst, um in deiner zweiten Lebenshälfte zufriedener und hoffentlich glücklicher zu werden als in deiner ersten Lebenshälfte.

Dazu aber später mehr in meinem Artikel über „Chancen der Midlife Crisis“.

Herzliche Grüße

Andrea

 

 

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